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Verletzte Hunde beißen.

October 6, 2016

 Foto: Ronja Wolf

 

Verletzte Tiere beißen.

 

„Ich wollte dir doch nur helfen! Musst du mich deswegen gleich so anmotzen?“ Wie oft haben wir das schon gesagt oder gedacht und dann wie ein beleidigter Hund trotzig und verletzt unseren Schwanz eingezogen und uns getrollt.

 

Wir wollten doch nur Gutes tun! Aber statt Dank ernten wir nur eine pampige Antwort. Meine Mutter fragte letztens ihre krebskranke Freundin, wie es ihr geht. „Wie soll es mir schon gehen?“, schoss diese barsch zurück und lief heulend davon.

 

„Ich habe es doch nur gut gemeint.“, murmeln, fauchen, klagen, schimpfen wir zurück. Und lecken unsere eigenen Wunden. „Musst du mich deswegen gleich so angehen? Warum beißt du mich denn so? Ich habe dir doch gar nichts getan! Dann bleib doch wo du bist, wenn du mich nicht haben willst! Aber beschwer dich hinterher nicht, ich hätte dir nicht helfen wollen oder wäre nicht für dich da gewesen!“

Aber warst du schon einmal so richtig verletzt und verzweifelt? Weißt du, wie es sich anfühlt, wenn das innere Fass so voll ist, dass es jede noch so gut gemeinte Berührung zum Überlaufen bringt? Wie es sich anfühlt, wenn die Kraft gerade noch dazu ausreicht, nicht in Tränen auszubrechen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, einfach zu funktionieren, weil es sein muss? Und dann – so was. Irgendetwas, das unsere Kraft fordert. Kraft, die wir nicht mehr haben. Denn wir brauchen sie schon für uns selbst. Alle unsere Kräfte sind beschäftigt mit dem Unfall, der in unserem Herzen passiert ist. Wir sind voller Wunden und wer uns anfasst, greift in ein Minenfeld. Wir sind am Ende, fertig. Und dann haben wir keine Kraft mehr zum Freundlich-sein, zum Reflektieren, zum Das-Gute-im-anderen-sehen. Wir explodieren einfach. Und verletzten andere ungewollt.

 

Siehst du, wie verletzt und verzweifelt ein Mensch ist, der so reagiert? Verletzte Tiere beißen. Ängstliche Tiere beißen. Gesunde Tiere beißen nicht. Kranke Tiere haben Angst, dass du sie noch mehr verletzen könntest. Verletzte Tiere sehen in jeder Bewegung einen Angriff. Und das stimmt auch: Wenn du ihre Wunden anfasst, tut es weh. Und je mehr Menschen in der Wunde herumdoktoren wollen mit ihren gut gemeinten Ratschlägen, desto schmerzhafter und angstbesetzter wird jeder Kontakt. Verletzte Tiere suchen deshalb die Einsamkeit und sehnen sich doch nach Anteilnahme.

 

Wurdest du heute von einem verletzten Tier gebissen? Hast du es doch nur gut gemeint? Wenn du es wirklich gut mit dem anderen meinst, dann siehst du hinter seiner Aggressivität die Überforderung, Verzweiflung und die tiefen Wunden. Wenn der andere dir wirklich wichtig ist, dann bleibe da. Lass ihn jetzt nicht allein. Halte Abstand, ja! Lass deine Finger von den Wunden, halte deinen Mund! Aber bleibe da und bleibe freundlich – auch wenn du gebissen wirst. Nimm es nicht persönlich. Sieh den Schmerz und die Angst dahinter. Bleibe da – als ein Angebot in sicherer Entfernung, als ein Gefährte in der Nacht. Nicht als Doktor. Vielleicht kannst du gar nicht helfen und machst nur noch alles schlimmer. Vielleicht musst du einfach schweigen und deine Ohnmacht ertragen. Aber zieh dein Angebot nicht zurück, weil es nicht angenommen wurde. Signalisiere dem anderen: „Ich sehe dich leiden. Und dein Schmerz tut mir weh. Ich möchte dir helfen, aber ich weiß nicht wie. Ich bleibe da und bin für dich da, wenn du mich brauchst.“ Und bete für ihn oder sie.

 

Hab Erbarmen mit den Hunden, die beißen. Verletzte Hunde beißen, das ist normal. Damit musst du rechnen, wenn du ihnen helfen willst. Und wie oft hast du in deinem Schmerz und deiner alltäglichen Überforderung schon andere gebissen…

 

PS: Und denke daran: Als Mann bist du für die Männer berufen, als Frau für die Frauen.Nicht umgekehrt! Auch, wenn es schwer fällt, manchmal Abstand zu halten. Aber sonst könnte alles schlimmer enden, als es ohne dich war! Gott braucht dich nicht. Er will dich nur manchmal gebrauchen. Manchmal aber auch nicht. Sei weise, das eine vom anderen zu unterscheiden!

 

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