© 2018 by Ronja Wolf

created with wix.com

  • Himmel auf Erden
  • @ronjalarissawolf
  • Spotify Social Icon

Das heilige Paradox vom guten Kaputt

December 27, 2016

 Foto: Ronja Wolf

 

„Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein…“ (1. Mose 12,2)

 

Segen hätte ich gerne. Mehr Segen. Mehr Reichtum – an Zeit, Urlaub, Freundschaften, Spaß, Geld, Schönheit, Glück. Ich bräuchte mehr Aufmerksamkeit, Trost, Mitgefühl, Rücksicht, Bestätigung, Liebe. Ich will das lieber haben, als geben. Ich brauche meinen Segen für mich selbst, um mich selbst damit glücklich zu machen: die Zeit, das Geld, die Energie, die ich habe. Es reicht ja kaum für mich. Wie sollte ich davon etwas verschenken? Sollen sich die Menschen anderswo holen, was sie brauchen!

 

So, wie die Jünger: fünf Brote und zwei Fische. Kaum genug für sie selbst. Wir können jetzt nicht geben, wir haben ja selbst kaum genug! Aber Jesus erwiderte: „Gebt ihr ihnen doch zu essen!“ Was? Wir sollen ihnen unser zu-wenig geben? Sie geben es ihm trotzdem.

 

1)

Das ist der erste große Schritt: unser zu-wenig in Gottes Hand zu legen. Ihm zu überlassen, was mit unserem Leben geschieht. Trotzdem.

 

Und dann nimmt Jesus das viel-zu-wenig Glück und dankt für das Nicht-Genug an Segen. Er dankt dafür! Er sieht darin einen Reichtum! Er nimmt es! Weil er es für wertvoll erachtet.

 

2)

Das ist der zweite große Schritt: Das Gute, was da ist, anzuerkennen. Und dafür zu danken.

 

Und dann zerbricht er es. Jesus zerbricht es! Er zerreißt es! Er macht es kaputt! Um es an die bedürftige Menschenmenge zu verteilen.

 

3)

Das ist der dritte Schritt, vielleicht auch der schwerste: Mein viel-zu-wenig an andere zu verteilen. Mich für den nächsten Bedürftigen zerbrechen zu lassen. Das Glück, dass für mich kaum reicht, wegzugeben. Mein eigenes Glück für andere zu verlieren. Mich Jesus hinzugeben, zerbrechen und an andere verschenken zu lassen – meine Zeit, meine Energie, meine Liebe. Meine Karriere, meinen Abend, meine Träume. Um andere damit glücklich zu machen.

 

Das ist die Herausforderung für unser Leben: anderen zu geben, was wir selbst gerne bekommen würden.

 

„Und alle aßen sich satt. Zum Schluss sammelten sie ein, was von den Brotstücken übrig geblieben war – zwölf Tragkörbe voll. Etwa fünftausend Männer hatten an dem Essen teilgenommen (…).“ (Matthäus 14,16-21)

 

Und hier passiert das Wunder: Mein viel-zu-wenig wird mehr. Es wird genug. Mehr-als-genug. Es wird gigantisch groß! Es entsteht ein wunder-voller Überfluss.

 

Es ist so schwer, ein Segen zu sein, wenn wir selbst nicht genug Segen haben. Wir brauchen doch selbst, was wir geben sollen. Diesen Trost, diese Aufmerksamkeit, dieses Zuhören, diese Anteilnahme, diese Freundschaft, diese gute Laune. Das jetzt anderen zu geben ist verdammt schwer. Es zerbricht unsere Pläne für heute Abend, unsere Bequemlichkeit, unsere Wünsche, unsere Kraft und Aufmerksamkeit, für das, was wir eigentlichntun wollten. Dabei ist das hier das Eigentliche. Sind wir bereit dafür? Unseren Segen hinzugeben, dafür zu danken, ihn zerbrechen zu lassen und an andere auszuteilen? An das Wunder zu glauben, wenn es gerade genug für uns selbst ist?

 

„Doch Jesus erwiderte: Die Zeit ist gekommen, in der die Herrlichkeit des Menschensohnes sichtbar wird. Ja, ich versichere euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde kommt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, wird es viele neue Körner hervorbringen. Wer sein Leben liebt, wird es verlieren. Aber wer sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es für das ewige Leben erhalten.“ (Johannes 12, 23-25)

 

Damit zeigen wir der Welt, wer unser Gott ist: Wir sterben. Wir zerbrechen unser kleines Glück auf dieser Erde und verschenken uns völlig. Es geht hier nicht darum, unser eigenes Glück zu maximieren – wie es die ganze Welt tut – sondern darum, unser Leben völlig zu verschenken. Das ist segensreicher Zerbruch. Das hier ist ein heiliges Kaputt. Wenn du deinen Segen hingibst und für andere zerbrichst.

 

Denn so wirst du zum Segen. Dann bist du der Segen. Indem du stirbst – den höchsten weltlichen Genüssen auf dieser Erde absagst, weil sie Egoismus bedeuten, und Gott folgst – erreichst du deine wahre Bestimmung: Ein Segen für andere zu sein. Und der Mangel von vielen und dein gerade-genug-für-mich-zum-Leben wird zum mehr-als-genug für alle. Wenn du heute zerbrichst, um für andere da zu sein. Das heißt es, Gottes Bild widerzuspiegeln: das Kreuz. Das heilige Kaputt.

 

Und vielleicht ist gerade das wahres Leben. Vielleicht ist gerade dies das größte Glück.

Vielleicht erreichen wir gerade so die höchste Erfüllung in unserem Leben? Indem wir uns von Gott für andere zerbrechen lassen. Wenn wir den Schmerz zulassen, macht Gott daraus Glück. Ich glaube daran.

 

Was für ein heiliges Paradox!

 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now