© 2018 by Ronja Wolf

created with wix.com

  • Himmel auf Erden
  • @ronjalarissawolf
  • Spotify Social Icon

Liebe ist die Bereitschaft, sich unterbrechen zu lassen

December 27, 2016

 Foto: Ronja Wolf

 

Wenn ich eines nicht leiden kann, dann sind es Unterbrechungen. Denn in dem Wort „unterbrechen“ verbirgt sich „brechen“. Eine Unterbrechung ist ein Zerbruch. Wenn ich unterbrochen werde, dann werden meine Pläne zer-brochen. Und ich hasse das. Ich bin einfach nicht spontan, entspannt, flexibel und selbstlos genug, als dass es mir leicht fiele.

 

Ich will gerade schreiben, putzen, spazierengehen, mich ausruhen, Musik hören, lachen, Klavierspielen. Und du brauchst mich. Irgendjemand braucht mich. Für irgendetwas. Irgendetwas anderes. Ich will lachen, aber du brauchst jemanden, der mit dir weint. Ich will mich ausruhen, aber du brauchst irgendjemanden, der dir hilft. Ich will alleine sein, aber du brauchst gerade jemanden, der bei dir ist. Ich will Stille und du willst Musik. Ich will Ruhe und du brauchst Action. Ich habe will meine Pläne ausführen, aber du brauchst mich für deine.

 

„Kannst du bitte den Geschirrspüler ausräumen? Kannst du mir bitte helfen, die Kisten hochzutragen? Kannst du bitte mal…?“ Oder du machst das ohne Worte und stehst einfach vor mir und heulst – schon wieder. Oder redest einfach los, weil du jemanden zum Reden brauchst. Oder zum was-weiß-ich-schon-wieder. In jedem Fall kommst du mir gerade ungelegen. Und alles in mir schreit: „Nein! Ich will nicht. Nicht jetzt, später vielleicht. Ich habe gerade andere Pläne, wichtige Pläne. Du störst mein Glück, meine Ruhe, meinen Frieden, meine Fröhlichkeit, vielleicht auch mein Trübsalblasen.“

 

Aber das ist das gute Zerbrechen, das heilige Zerbrechen: Wenn wir unser Herz aus Liebe zerbrechen lassen. Es tut ein bisschen, vielleicht auch sehr viel weh, wenn ich dir jetzt gebe, was du brauchst. Aber das heißt es für mich, dich zu lieben: für dich auch Opfer zu bringen. Manchmal kleine, manchmal große. Und beim Opfern geht immer eines kaputt: das Opfer. Das sind meine Pläne, mein kleines Glück (meine wertvolle Ruhe, mein Tanzkurs heute Abend, der Plan jetzt mein Zimmer aufzuräumen).

 

Aber das ist Liebe. Das heißt es, zu lieben: Mein kleines Glück für den anderen zu zerbrechen. Weil ich gerade gebraucht werde. Und die Scherben, die bei diesem Zerbruch entstehen, sind die Samen für ein viel größeres Glück: Dass wir zusammen durch dick und dünn gehen. Und eben nicht alleine. Dass dadurch Verbundenheit entsteht: indem deine Angelegenheiten zu meinen werden. Dass du so wertvoll für mich wirst: weil ich einen hohen Preis für dich bezahle. Nämlich den meiner zerbrochenen Pläne.

 

Liebe ist ein heiliges Kaputt. Wer liebt, der lässt sich unterbrechen, sein kleines Glück für etwas Besseres zer-brechen. Das ist schwer, das tut weh. Aber Liebe tut oft weh. Und gerade durch den Schmerz beweisen wir den Wert des anderen. Denn der Zerbruch trägt die Botschaft: Du bist mir das wert. Du bist mehr wert als alles, was ich dich für dich verliere. Und das ist manchmal ziemlich viel und manchmal ziemlich wertvoll für mich. Aber du bist noch wertvoller!

 

Das ist das Kreuz. Das ist das Evangelium. Die Botschaft eines Gottes, der sich selbst zerbricht, um uns zu geben, was wir brauchen. Die Geschichte von einem Gott, der sein Herz aus Liebe zu uns zerbrach, daran starb und uns damit ein neues Leben schenkte. Himmel auf Erden, ist das schmerzhaft und ist das schön!

 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now