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Dein Wille geschehe.

January 8, 2017

DEIN WILLE GESCHEHE.

 

Immer wieder sind es dieselben Worte, mit denen du mich konfrontierst. Drei Worte; ich will sie nicht hören – denn sie erscheinen mir wie eine Mauer, eine Betonwand.

 

Da ist ein Weg, den ich gehen will – mein Wille. Und dann kommt dein Weg, dein Wille (als Christ konfrontiere ich mich damit); dann kommst du und stellst dich mir in den Weg und sagst einfach: Nein.

 

NEIN.

 

„Dein Wille geschehe.“ muss ich nur sagen, wenn ich einen anderen Willen habe als du. Innerlich will ich diesen, meinen Weg gehen. „Aber ich will da lang.“, sage ich. „Nein, Ronja.“, antwortest du, „Nein. Das hier ist besser.“ Und dann renne ich gegen dein „Nein“ wie gegen eine Wand, wie gegen eine Betonmauer. Und es kracht. Ich blute. Je stärker mein Wunsch, mein eigener Wille, desto größer die Wucht, umso heftiger der Aufprall. Und ich zerbreche daran. Ich gehe kaputt daran. Etwas in mir geht kaputt. Das, was in deinen Augen nicht das Beste ist. Aber weil ich daran hänge, gehe ich mit dieser Sache kaputt. Ich zerbreche, weil in mir eine Welt zusammenbricht – meine selbstgebastelte, mein Traum, mein Wunsch. Mein Herz zerbricht. Aber du sammelst einfach ruhig meine Scherben auf, um etwas schönes Neues daraus zu machen.

 

Doch kaum hast du mich zusammengeflickt, laufe ich wieder los in meine Richtung, den Weg, den ich gehen will. – Bis mir einfällt zu sagen: „Dein Wille geschehe.“ Weil ich ja tief in mir glaube und weiß und du mir hundertmal bewiesen hast, dass dein Wille immer besser ist, wenn er anders ist als meiner. Aber ich fürchte mich so sehr vor diesem Gebet, denn dann steht da wieder diese Wand, dein „Nein.“. Und ich kollidiere mit voller Wucht damit und breche zusammen, breche auseinander, bin zerstört, am Boden zerstört. Dass du mir nicht meinen Willen lässt… Mein Gebet nicht erhörst. Den Weg nicht ebnest, sondern versperrst. Und mir die Sicht noch dazu.

Aber sanft sammelst du wieder meine Scherben, mein zerbrochenes Ich, auf und liebst mich wieder stark genug, dass ich weitergehen kann.

 

Doch beim nächsten Mal geschieht etwas anderes. Denn als ich wieder losrenne – und getrieben von der Sehnsucht nach einem schmerz-losen Leben meinem Traum nachjage – da stehst du mir wieder im Wege. Da steht wieder dein „Nein.“ Und weil ich sage „Dein Wille geschehe.“ gehe ich nicht außen herum, sondern lasse mich von dir aufhalten. (Das ist der Unterschied zwischen den Menschen dieser Welt und den Christen, den Nachfolgern. Sie gehen nicht außen herum, sondern lassen sich von Gott aufhalten.)

 

Ich lasse mir also wieder von dir den Weg versperren. – Nur dass ich dieses Mal sehe und begreife, dass du keine Betonmauer, keine kalte Wand bist! Sondern ich renne in offene Arme und kollidiere mit deiner starken Brust, in der ein Herz unermüdlich für mich schlägt.

 

Ich breche auch dieses Mal zusammen, in mir bricht wieder eine Welt zusammen. Aber du hältst mich. Dieses Mal kann ich deine Liebe und Nähe spüren – du bist der, der mich schon so oft zusammengeflickt hat. Inzwischen kenne ich dich. Und das ändert alles. Ich weine trotzdem, lasse der Ent-Täuschung freien Lauf. Ich bin wieder mit der Realität zusammengeprallt – oder dem, was du als „besser“ bezeichnest. Bisher war für mich diese Realität etwas Kaltes, Hartes, Emotionsloses, vielleicht sogar etwas Gehässiges, das sich die Hände reibt, wenn es seine Nadel gegen meine fliegenden Luftballonträume hält und sie schadenfroh platzen sieht.

 

Aber jetzt bist du meine Realität. Mein Luftballon sackt auch luftlos und leblos in sich zusammen, aber da sind warme, mitfühlende und liebevolle Hände, die seine Fetzen auffangen und ihn einfach weiterlieben. Obwohl da gar nichts mehr Schönes dran ist, an Luftballonfetzen. Du liebst mich einfach weiter. Und du flüsterst in mein Ohr: „Mit mir wirst du auch fliegen! Und irgendwann sogar noch viel höher, viel weiter!“

 

Du bist die Realität, mit der ich zusammenpralle. Ich werden gegen die Brust meines Liebhabers geschmissen – mit voller Wucht. Aber ich falle nicht zu Boden, weil du mich fängst. Und ich breche nicht auseinander, weil du mich hältst. Ich werde nur schwach, fast leblos und du lässt mich an deiner Brust ruhen, bis ich neue Kraft gefunden habe. Bis ich deine Liebe spüre. Bis ich so viel von deiner Güte, Liebe und Kraft spüre, dass ich mit dir weitergehen will – deinen Weg. Und deinen Willen. Weil ich verinnerlicht habe, dass du tatsächlich besser bist. (Ich mache mich immer kaputt und du machst mich immer ganz.) Weil ich dich jetzt kenne. Erkannt habe. Ich habe dich erlebt. Ich habe das Bessere erlebt. Und das hat mich wiederbelebt.

 

Und manchmal glaube ich tatsächlich:
Gott nimmt mir die Luft, damit er mich beatmen kann.
Er lässt mich stolpern, damit er mich aufheben kann.
Er lässt mich fallen, damit er mich fangen kann.
Er lässt mich frieren, damit er mich wärmen kann.
Er lässt mich zerbrechen, damit er mein verletztes Herz wieder heile lieben kann.
Er lässt mich mit ihm kollidieren, damit ich freiheitsliebendes Wesen ihn überhaupt fühlen kann.

 

Nicht, dass er diese Katastrophen will oder gar aktiv herbeiführt. Dafür ist in dieser Welt ein anderer verantwortlich – manchmal auch wir selbst. Aber er lässt sie zu. Weil das alles ja eigentlich gar nicht so schlimm ist, wenn er ja da ist.

 

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