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Tagebucheintrag: Gedanken nach einem Streit

January 8, 2017

Foto: Ronja Wolf

 

Okay, ich habe versagt, ich habe das falsch gemacht. Ich habe dich verletzt und im Stich gelassen. Das wollte ich nicht. Ich entschuldige mich dafür bei dir, auch wenn es mir schwerfällt. Und ich sehe ein, dass ich es besser anders gemacht hätte.

 

Aber du bist sauer. Du bist verletzt und lässt mich spüren, dass ich damit dein Feind geworden bin. Du wirfst mir das Gefühl zurück, dass du eigentlich selber hast: Dass ich nichts wert bin, nicht gut genug, als dass man mich aushalten und ertragen könnte. Du nennst mich asozial, egoistisch, dumm und gefühlslos. Es fehlt nur noch, dass du aussprichst, was ich bei deinen Worten fühle: „Du Miststück, du Taugenichts, du Nichtsnutz. Du bist nicht tragbar. Deine Fehler sind zu groß. Du bist nicht liebenswürdig. So jedenfalls nicht, dafür müsstest du schon besser sein. Du musst dich ändern, weil so bist du nicht gut genug.“ Und damit gibst du ungefiltert an mich weiter, was du in deinem Leben schon so oft hast fühlen und hören müssen. Das tut mir leid für dich.

 

Und ich fühle: Du verletzt mich, du triffst mich an einer Stelle, an der wir wohl alle schwach und verletzlich sind – und du verwundest mich. Aber ich versuche stehen zu bleiben, nicht emotional abhängig von dir zu sein. Ich heule, ich fühle den Schmerz, aber ich erinnere mich:

 

Du definierst nicht meinen Wert. Gott definiert meinen Wert. Du kannst vielleicht gerade nicht sehen, dass ich wertvoll, liebenswürdig, schön und gut genug bin – trotz meiner Fehler. Aber ich bin es trotzdem – weil ich es für Gott bin. Du kannst mir gerade nicht verzeihen, aber meine Schuld ist mir vergeben, weil Gott sie mir vergeben hat. Du kannst mir gerade keinen Frieden und keine Liebe geben, aber Gott gibt mir das. Du kannst mich gerade nicht ertragen, aber Gott kann das immer noch.

 

Ich habe Fehler gemacht. Ich finde, es war ein kleiner Fehler, für dich war es ein großer Fehler. Vielleicht war es auch tatsächlich ein großer Fehler und vielleicht mache ich diesen Fehler sogar ständig. Vielleicht bin ich sogar immer ungenügend und dir immer eine Last. Jedenfalls gibst du mir heute das Gefühl. Aber ich weiß, dass ich schon viel schlimmere Fehler gemacht habe. Was ist das hier gegen das Gefühl, ein Leben ruiniert zu haben? Ich weiß, wie es sich anfühlt, scheinbar unverzeihliche Fehler gemacht zu haben und Schaden angerichtet zu haben, der scheinbar nie wieder gut gemacht werden kann. Ich weiß, was es heißt, schuldig zu sein.

 

Aber ich weiß auch, dass es dafür Gnade gibt – für alles Ungenügende. Dass ich Fehler machen darf, dass ich immer genug bin für Gott, so wie ich bin. Weil es genug Gnade gibt, genug Gott, genug für mein Kaputt, um es zu heilen – genug, um alles zu etwas Gutem zu führen.

 

Ich habe keine Angst mehr vor dem Zerbrechen.
Ich habe keine Angst mehr vor dem Versagen.
Ich habe keine Angst mehr davor, Fehler zu machen.
Ich habe keine Angst mehr davor, dich fallen zu sehen.
Ich habe keine Angst mehr davor, dass du mich nicht willst, dass ich für dich nicht genug bin.
Ich habe keine Angst mehr vor dem Alleinsein, weil da Gott ist, genug Gott.

 

Ich habe keine Angst mehr, mit meiner Unzulänglichkeit konfrontiert zu werden, weil ich weiß: Es gibt Gnade. Es gibt Gott. Genug Gnade. Und genug Gott.

 

Du bist nicht Gott. Und damit kann ich gut leben. Auch wenn das für mich gerade Schmerz bedeutet. Aber auch dafür gibt es Gnade und auch dafür gibt es Gott – für deine Unzulänglichkeiten, die mich verletzen.

 

Ich habe keine Angst mehr vor dem Fallen,
weil ich weiß, wie man wieder aufsteht.
Ich habe keine Angst mehr vor dem Schmerz,
weil ich weiß, wie man ihn fühlt.
Ich habe keine Angst mehr vor Löchern,
weil ich weiß, wohin ich gehen muss, damit sie gefüllt werden.

 

Ich habe keine Angst mehr.
Weil Gott.

 

WEIL GOTT. Nicht weil ich.

 

„Und wir wissen, dass für die, die Gott lieben und nach seinem Willen zu ihm gehören, alles zum Guten führt. (…) Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen. Was kann man dazu noch sagen? Wenn Gott für uns ist, wer kann da noch gegen uns sein? Gott hat nicht einmal seinen eigenen Sohn verschont, sondern hat ihn für uns alle gegeben. Und wenn Gott uns Christus gab, wird er uns mit ihm dann nicht auch alles andere schenken?

 

Wer wagt es, gegen die Anklage zu erheben, die von Gott auserwählt wurden? Gott selbst ist ja der, der sie gerecht spricht. Wer sollte uns verurteilen? Christus Jesus selbst ist ja für uns gestorben. Mehr noch, er ist der Auferstandene. Er sitzt auf dem Ehrenplatz zur rechten Seite Gottes und tritt für uns ein.

 

Kann uns noch irgendetwas von der Liebe Christi trennen? Wenn wir vielleicht in Not oder Angst geraten, verfolgt werden, hungern, frieren, in Gefahr sind oder sogar vom Tod bedroht werden? (…) Aber trotz all dem tragen wir einen überwältigenden Sieg davon durch Christus, der uns geliebt hat. Ich bin überzeugt: Nichts kann uns von seiner Liebe trennen.“

 

(Römer 8,28-38)

 

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