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Wut

February 22, 2017

 Foto: Ronja Wolf

 

Ich lerne, dass Wut eine Maske ist. Wut ist die akzeptable Fassade, hinter der wir alles verstecken, was wir selbst nicht fühlen und was andere nicht sehen sollen. Scham, zum Beispiel. Oder Angst. Meistens Schmerz. Unsere eigene Schuld und Fehlerhaftigkeit und unsere Verzweiflung darüber. Bloß ist es gesellschaftlich akzeptabler und für unser Märchendenken angenehmer, wütend zu sein, als Angst, Scham oder Schuld zuzugeben. Aber ich habe gelernt: Meine Wut ist meine Baustelle. Wenn ich wütend bin, dann geht es in Wahrheit um mich - und nicht um den anderen. Der andere triggert etwas in mir, er löst etwas aus, er berührt einen Wunden Punkt, erinnert mich an meine Angst oder mein Versagen. Wut ist nur der Mechanismus, mit dem ich versuche von mir und meinem Schmerz und meiner Unvollkommenheit und meinem Mangel an Gnade mit mir und anderen abzulenken. Doch wenn ich all meinen Mut zusammennehme und meiner Wut die Maske vom Gesicht reiße, lerne ich sehr viel. Sehr viel Schmerzhaftes: über mich selbst, über meine Mitmenschen und über diese Welt. Aber am Ende das Schönste über Gott.

 

Ich habe gelernt: Aggression ist meistens ein Zeichen von Verletzung. Verletzte Tiere beißen. Unsere Verletzlichkeit treibt uns zu einem noch stärkeren Selbstschutz. Was wir stattdessen tun sollten, ist, unsere Wunden zu lecken. – Ihnen Aufmerksamkeit zu schenken und uns um ihre Heilung zu bemühen. Das ist keine Schwäche, das ist Mut zur Ehrlichkeit. Wir sind verwundet. Das ist eine harte Wahrheit. Aber es ist besser, als beim anderen nach seinen Problemen zu suchen und ihm denselben Schmerz zuzufügen.

 

Ich bin wütend auf andere, weil sie versagen und mir nicht das geben (können), was ich brauche. Und ich bin wütend auf mich, weil ich vor mir selbst versage und nicht geben kann, was ich geben will. Wut ist eine Folge des Scheiterns. Sie ist der Schmerz, der auf Unvollkommenheit folgt. Aber weder Wut auf uns selbst noch auf andere heilt dieses Problem. Das kann nur Gnade. Und weil Gott für alle unsere Scherben bezahlt hat, gibt es Gnade. Genug Gnade für unser Versagen. Genug Gnade für das Versagen der anderen. Aber der Schmerz, der entsteht, wenn wir die Realität annehmen wollen wie sie ist, müssen wir fühlen.

 

Wut ist ein Ausdruck von Schmerz. Irgendetwas ist hier kaputt gegangen. Die Welt ist nicht so, wie sie sein sollte und das tut uns weh. Aber den Schmerz über unsere Unvollkommenheiten kann man nicht mit Wut heilen, sondern nur mit Gnade.

 

Gnade ist das Gegengift für Wut.
Und Trauer.
Wir hassen trauern.
Aber unsere Hoffnung ist die Medizin für unsere Trauer.
Wut wird verschwinden.
Und die Trauer wird langsam heilen.

 

Unsere Wut vergeht, wenn wir den Schmerz fühlen, den es verursacht, Gnade geben zu müssen. Hier ist etwas kaputt. Das tut weh. Und das ist völlig in Ordnung. Würde es nicht wehtun, wären wir nicht normal. Wir wurden nicht für dieses Kaputt geschaffen. Es macht uns kaputt und die Wut in uns wehrt sich dagegen. Die Wut ist unser Überlebenselexier auf dem Weg in eine bessere Welt. Mögen wir nie aufhören, Schmerz zuzulassen. Und mögen wir ihn nicht maskieren mit Wut.

 

Wut ist ein Lügner.
Trauer ist Wahrheit.
In Wahrheit gibt es Gnade.
Gnade ist Hoffnung.
Hoffnung ist Gott.
Gott ist unsere Zukunft.

 

„Befreit euch von Bitterkeit und Wut, von Ärger, harten Worten und übler Nachrede sowie jeder Art von Bosheit. Seid stattdessen freundlich und mitfühlend zueinander und vergebt euch gegenseitig, wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat.“
(Epheser 4,31)

 

Wut ist eine billige Maske für die Wahrheit, mit der wir nicht leben können. Aber wir brauchen sie nicht. Denn es gibt Gnade. Es gibt Gott. Wir können mit der Wahrheit leben. Was für eine Erleichterung!

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