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Trotzdem-Danke

April 3, 2017

Foto: Ronja Wolf

 

Unser aller Leben besteht aus Blumen und Löchern. Da sind gute und schöne Dinge und da ist Leid, Schmerz, Mangel, Schuld, Scherben. Da ist immer beides. Für unser sündiges Herz zählen vor allem die Löcher. Wir sind so Löcher-fixiert. Wir sehen vor allem das, was nicht da ist. Wir sehen was fehlt. Wir sehen das, was zu klein ist, was mangelhaft, was zu weit weg oder vergangen ist. Wir sehen, dass der andere mehr hat als wir. Dass er Fehler gemacht hat. Wir sehen, dass unser Leben nicht so ist, wie wir es uns vorgestellt haben. Und wir klagen Gott an, weil er so viel Leid zulässt, weil er die vielen Scherben nicht verhindert und uns aus Ägypten in die Wüste führt anstatt direkt in das versprochene Land.

 

Ich schaffe es auch noch, wütend und weinend durch den märchenhaften Frühlingwald zu laufen, bis ich mich an die Israeliten erinnere:

 

„Und es geschah, dass das Volk sich sehr beklagte, und das war böse in den Ohren des HERRN; und als der HERR es hörte, da entbrannte sein Zorn, und das Feuer des HERRN brannte unter ihnen und fraß am Ende des Lagers. Da schrie das Volk zu Mose. Und Mose betete zu dem HERRN; da erlosch das Feuer.“ (4.Mose 11,1-2)

 

War nicht schon die erste große Sünde die Undankbarkeit? Hatten Adam und Eva im Paradies nicht wirklich alles, was sie brauchten? War es denn nicht genug? Musste es noch mehr sein? Fehlte denn wirklich etwas? Sie glaubten, sie bräuchten noch mehr und verloren dadurch alles, was sie hatten.

 

Wie oft glaube ich, ich brauche noch mehr und verliere dadurch all das Gute, was ich habe? Einfach, weil ich mir gar nicht die Zeit nehme, es wirklich zu sehen. Und weil es für mich, wenn ich es sehe, nicht viel zählt. Ich gebe dem Guten keinen Namen und deshalb hat es für mich keine Bedeutung. Ich sage nicht danke und deshalb betrachte ich es auch nicht als Geschenk.

 

Ja, es fehlt mir viel. Diese Welt ist nicht gut so, wie sie ist. Aber lebe ich nicht wirklich im Paradies, verglichen mit dem Rest der Welt? Lebt nicht jeder, der Gott hat, im Herzen im Paradies?

 

Und es fällt mir schwer trotz all dem Schlechten danke zu sagen. Ja, alles in mir bäumt sich dagegen auf, aber ich entscheide mich dafür: für die trotzdem-Dankbarkeit. Ich will die Blumen sehen. Ja, da sind Löcher. Aber ich will für die Blumen danken. Für jedes einzelne Blatt, das nach sechs kahlen Monaten endlich wieder an den Bäumen wächst. Für die untergehende Sonne, die den Abendhimmel in ein zartes Rosa-orange taucht. Für die Vögel, die um mich herum zwitschern. Für alles, was ich habe. Ich habe ein Zimmer, ein Bett, schöne Bilder an den Wänden, gute Freunde, eine liebe Familie, eine tolle Schwester seit vierundzwanzig Jahren und ab morgen eine neue Arbeit.

 

In mir rebelliert es: Aber schau mal, was du alles nicht hast! Da fehlt doch so viel zum Glücklich-sein! Und ich erinnere mich: In dieser Welt wird immer vieles fehlen. Immer. Aber wenn ich für das, was ich habe, bewusst danke sage, dann kann ich trotzdem glücklich sein. Ich weiß es – aber will ich es? Will ich Leben für den Preis, dass meine Klagen sterben müssen?

 

Und nachdem Jesus danke gesagt hatte, vermehrte sich das Brot (Johannes 6,11). Jesus dankt für das zu-wenig und es wird nicht nur genug, sondern Überfluss. Ich entscheide mich dafür zu danken. Erst dann – wenn ich alle Geschenke gesammelt, gezählt, gewogen und benannt habe – werde ich die Dankbarkeit fühlen. Ich beginne also mit einem Gefühl der Undankbarkeit und dem Wunsch zu klagen. Ich beginne mit Tränen in den Augen und dem Gefühl von Leere und Mangel. Aber ich sage trotzdem danke. Es fällt mir schwer. Doch je mehr ich aufzähle, desto leichter fällt es mir. Und desto dankbarer, glücklicher, zufriedener werde ich. Will ich die Blumen sehen oder die Löcher? Wenn ich mein Glück wiege, dann wird es schwer. Wenn ich meinen Segen einmal wirklich zähle, wird er auf einmal mehr. Dabei war es schon immer viel. Aber unsere Gedanken und Worte prägen unsere Gefühle. Also sage ich danke.

 

Für alles gibt es eine Zeit. Es gibt eine Zeit zum Weinen. Und es gibt eine Zeit zum danke sagen. Beides ist wichtig. Aber retten wird uns am Ende immer nur das Danken. Das trotzdem-Danken. Es gibt hier kein anderes, als ein trotzdem-Danke. Aber das reicht. Das reicht um zu sehen, da ist immer genug. Immer genug Gutes. Gott versorgt auch in der Wüste. Das hatten die Israeliten vergessen. Und es hat ihnen ihr Leben geraubt. Und ich spüre: Klagen zehrt an meinem Leben, es eine Krankheit meines Herzens. Aber ich kann sie mit Dank bekämpfen. Dank wird meine Trauer heilen. Denn die Blumen sind der Trost für unsere Löcher. Und wer getröstet ist, der hat Frieden im Leid. Danken bringt uns den Frieden, mit dem wir in einer kaputten Welt gut leben können. Wir müssen uns nur dafür entscheiden. Für Gott. Für das Gute. Für ein Herz, das sieht, was da ist. Nämlich viel, immer auch viel. Viel Gutes.

 

„Und dankt Gott, dem Vater, zu jeder Zeit für alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus.“

(Epheser 5,29)

 

Wenn wir für alles danken würden – wir hätten keine Zeit mehr zum Klagen. Für ein sündiges Herz zählen am Ende die Löcher. Für ein geheiligtes Herz zählen am Ende die Blumen. Weil sie beweisen: Gott ist da. Trotzdem. Und Gott ist gut. Trotzdem.

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