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Weint...

May 4, 2018

 Foto: Ronja Wolf

 

Wir Christen sollten nicht den Anspruch haben, immer zu lachen, selbst wenn wir in unserem Leben allen Grund dazu haben. In der Bibel finden wir das Gebot „Weint mit den Weinenden.“ (Römer 12,15) Als Sozialarbeiter in der Flüchtlingshilfe wäre das, wörtlich genommen, beinahe ein Vollzeit-Trauer-Job.

 

Ich glaube, wir Christen haben das gemeinsame und öffentliche Trauern verlernt. Wir singen keine Klagelieder, wir weinen nicht um das Elend und die Gottlosigkeit in dieser Welt. Stattdessen haben wir resigniert, uns an all das Hässliche gewöhnt – wir müssten ja sonst immer weinen. Aber sollten wir das nicht vielleicht auch? Wir Christen meinen, die Menschen sollten uns an unserer Freude erkennen. Aber vielleicht sollten sie uns manchmal besser an unserer Trauer erkennen. Vielleicht sollte die Welt uns auch an unserem Entsetzen erkennen.

 

Denn mehr als das Gebot zur Freude finden wir das Gebot zur Liebe. An unserer Liebe untereinander sollen sie uns erkennen (Johannes 13,35). Und zu lieben in einer kaputten und gottlosen Welt bedeutet immer mindestens zur Hälfte zu trauern. Unsere Tränen definieren den Wert dessen, was kaputt gegangen ist – Familien, Herzen, Reinheit, Kindheit, Sicherheit, Heiligkeit, Wertschätzung, Gottvertrauen.

Ich mag das bekannte christliche Lied nicht:

 

„Immer fröhlich, immer fröhlich,

alle Tage Sonnenschein.

Voller Freude ist der Weg des Lebens,

fröhlich lasst uns immer sein.“

 

Haben sie nie die Nachrichten gesehen? Haben sie nie ein Kind im Arm gehalten, dessen Mutter gerade an einer Überdosis gestorben ist? Kennen sie keine Mütter, die täglich um ihre Kinder weinen, weil sie Gott verlassen haben? Kennen sie nicht Afghanistan, nicht die Scheidungsraten in unseren Kirchen, nicht die Gottlosigkeiten, die in unserem Land im Fernsehen ausgestrahlt werden?

 

Oder haben sie aufgehört zu lieben und der Gleichgültigkeit den Vorzug gegeben? Sarkasmus und Resignation sind angenehmer als Trauer und Schmerz. Das Herz vor dieser Welt und ihrem Leid zu verschließen ist einfacher, als es davor zu öffnen. Aber was ist unsere Aufgabe? Was hat Jesus getan?

 

Haben sie die Psalmen nicht gelesen`?

Oder Hiob überblättert?

Kennen sie die Propheten nicht?

Oder haben sie nicht gelesen, was Paulus durchmachen musste?

Und was ist mit Gethsehmane?

 

Oh Christen! Möge man euch nicht an einer oberflächlichen Fröhlichkeit erkennen, sondern an eurem tiefen Mitgefühl, an euren Tränen über die Scherben einer Welt, die einmal ein Paradies war.

 

„Und Jesus weinte.“ (Johannes 11,35

 

 

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