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Podcast #16 - Poetry "Nachts"

December 19, 2018

Foto: CC0

 

Zum Anhören ab dem 22.12. auf www.himmel-auf-erden.online

sowie Spotify, Apple Podcasts und jeder anderen Podcast-App!

 

Nachts

 

Kennst du das - wenn du nachts wach liegst und denkst

und dich fragst, wer die Stern und Planeten und Kometen und was da sonst noch da ist, alles lenkt?

Fragst du dich manchmal, wer diese tanzenden Kugeln so gut dirigiert,

dass unserer Welt einfach gar nichts passiert?

Seit tausenden Jahren

 

Oder ist dir das zu weit weg?

Siehst du die Weite, das Schwarze

und fühlst dich kaum wie Sternenstaub, sondern eher wie Dreck?

Wovor läufst du weg? Suchst du vor Gott ein Versteck?

 

Oder ist dir das zu weit weg?

Siehst du die Weite, das Schwarze, die riesenhafte Milchstraße

im irgendwo, im unbekannten nirgendwo

und du ewig klein

vielleicht ganz allein

so unbedeutend wenig

und so ganz und gar nicht schön und ewig?

 

Und überhaupt,

wenn Gott, an den die Menschheit glaubt,

Planeten und Sterne und Berge und Meere so gut hält

warum dann nicht dich?

Warum hat er dann nicht auf dich aufgepasst

damals –

 

damals, als du verlassen wurdest

und irgendwer dir sagte: Ich brauch dich nicht.

 

damals, als die Dinge passierten,

die nie hätten passieren dürfen

 

damals, als die unsichtbare Hand

dir das, woran dein Herz hing, wegnahm

 

als dein Traum zerplatzte, als der Himmel schwieg

ja, vorher war da Frieden, aber jetzt ist da Krieg.

 

Krieg zwischen dir

und dem Unendlichen

Krieg zwischen dir

Und dem Leben, dem Lachen, dem unbeschwerten, sorglosen, alltäglichen, scheinbar so sinnlosem, schmerzhaften, notwendig gezwungenem Weitermachen

 

Aber du kannst ihn nicht besiegen

Diese Allmacht, die dir in dieser Nacht begegnet

in dem Unendlichen

in dem Unverständlichen

in dem Unfassbaren

Du sagst – du kannst ihn so nicht lieben?

 

Ich will dir was sagen,

ich kann dich verstehn.

Weil er mir auch schon so ging.

Wenn der Himmel schweigt,

und dein Herz zerreist.

Vorher warst du ein Kind,

bis das Leben kommt und dir nimmt,

wovon du dachtest, es muss doch für immer bleiben.

 

Und Gott hat das nicht verhindert.

Hat er es überhaupt gesehn?

Wer er gerade mit anderem beschäftigt?

Kann er überhaupt verstehn,

was das für dich bedeutet

und dass dein Leben grad zerbricht?

Sieht er es denn oder hört er es denn nicht?

 

Und wenn du das sagst,

schaun deine Augen grad nach unten.

Hab ich Recht?

Nur, auf dem Boden sieht man Gott so schlecht…

Aber ich weiß, du hast grad keine Kraft den Kopf zu heben, denn du steckst im Dunkeln.

Aber guck mal kurz hoch!

Siehst du dort –

In der Nacht, in der Ferne, irgendwo da oben irgendetwas funkeln?

 

Und wer glaubst du, wer hat das gemacht?

Und wer hat er das hier aufgehängt – mitten in der Nacht, wo du doch schlafen solltest –

und warum?

Hier hat sich Gott zu seinen Menschen aufgemacht.

 

Warum hat irgendwer der Nacht den Schmuck gegeben?

Und lässt ihn wie Magie dort schweben?

Und warum? Warum?

Glaubst du nicht, dass die Hand,

die solche Physik zaubern kann,

noch mehr kann?

Glaubst du nicht, dass wer so groß ist,

auch das kann?

Das wieder gut machen kann?

Das reparieren kann?

Dich in dieser Nacht zum Leuchten und zum Schweben und zum Schönheit wiedergeben und zum Gott spiegeln nehmen kann?

Er macht das schon mit toten Planeten – stell dir vor, er nimmt dein Leben!

 

Vertrau mal dieser großen Hand,

dass sie noch mehr als Sterne kann.

Und dass diese Magie, diese schöne Physik,

auch dein Leben hält – und ich mein: jedes Stück.

 

Gib’s mal dieser Meisterhand.

Gib es mal dem großen Künstler.

Gib’s mal dem, der alles kann.

 

Und wenn du dich jetzt umdrehst, siehst du ihn dort stehen?

Den Mann mit der Krone, den Zimmermann, den Gott-Propheten,

der mit Huren und Verbrechern und Egoisten und Kranken mitgeht.

Weil er ihre Nacht sieht.

Weil er ihren Schmerz sieht hinter den Masken, dem albernen Lachen, der Schminke, der Härte.

Und wie ein Stern geht er in ihre Nacht. Um sie zu erhelln.

So tief, so weit, bis er selbst, vor Schmerz dem Tod geweiht, ruft: „Es ist vollbracht.“

Und das war auch das Ende deiner Nacht.

 

Die Erde bebte,

die Freunde flohn.

Im Himmel stand ein leerer Thron

und auf der Erde lag ein toter Gott

mit stillem Herz in stillem Blut.

Aber siehst du, weißt du, hörst du!

Gott macht alles gut.

 

Das war nicht das Ende.

Und das hier ist auch nicht deins.

Gott kann mehr, Gott ist größer, als es vielleicht manchmal scheint!

 

Und vielleicht braucht es drei Tage,

bis dein Gott wieder lebt,

bis du ihn wieder siehst,

bis du alles verstehst.

 

Aber schau – er ist größer als der Tod,

größer als die Scherben,

größer als die Not.

Denn größer als dein Gott

kann auf dieser Welt nichts werden!

 

Er kann alles retten,

alles besiegen,

er kann dich wieder heile und lebendig lieben.

 

Denn wenn ihn nichts besiegen kann,

dann kann dich auch nichts besiegen.

Und wenn du alles verlierst,

dann wird Gott dich trotzdem lieben.

 

Der Stern in der Nacht sagt dir:

Hab keine Angst! Fürchte dich nicht!

Ich bin der Beweis: Gott ist immer noch Licht; er schickt es für dich.

Ich bin der Beweis, dass die Sonne noch scheint,

genauso, wie Gott liebt, auch wenn du jetzt weinst.

Du bist niemals allein.

 

Und wie heißt dieser schöne Spruch?

Am Ende ist alles gut. Und wenn es nicht gut ist, dann ist es auch nicht das Ende.

Hör mir zu, dein Gott ist ewig. Ewig gut.

Auf jede Nacht folgt ein Tag.

Glaub mir, wenn ich sag:

Gott ist da.

Und Gott ist gut.

Und ganz ehrlich: Das zu wissen, ist genug.

 

© Ronja Wolf

 

 

 

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